Als ich bei einem gemütlichen Herbstpicknick gemeinsam mit Freunden über unsere Lieblingsereignisse/-feste im Kirchenjahr diskutierte, wählte ich „ Maria Verkündigung“ als das mir am naheliegendste Fest. Ein Freund meinte darauf trocken: „Dann bist du also ein Fiat-Mensch“.
Und ja, er hat recht, ich bin ein Fiat-Mensch. Schon seit einigen Jahren liebe ich diese Stelle der Bibel als Maria Ja zu Gottes großem Plan für ihr Leben und für die ganze Menschheit gesagt hat. Doch was genau fasziniert mich so daran?
Erstens mag ich, dass Maria jung, unerfahren, arm – auf den ersten Blick nicht wirklich besonders – war. Und die Bibel berichtet auch nicht, dass sie sofort und ohne Bedenken ihr Ja gegeben hat. Sie erschrak zuerst über den Gruß des Engels und fragte dann verwirrt nach wie dieser Plan funktionieren sollte. Aber sie war mutig, hat riskiert, war offen für Gottes Plan. Vielleicht war es ein kleines, unsicheres Ja – aber Gott hat ihr seinen Beistand und seine Kraft gegeben und daraus was Wunderschönes, Großes gemacht.
Ich habe in meinem ersten Jahr in Graz, bei einer Wochentagsmesse mal ein Bild (siehe Titelbild) von Maria Verkündigung ausgeteilt bekommen, das ich seitdem richtig lieb gewonnen habe. Weils so sehr ausdrückt, wie ich mich damals fühlte. Unsicher, abwartend, gefordert – aber bereit Ja zu sagen, was Gott mit mir vorhat, wohin er mich Schritt für Schritt führen würde.
Ich denke wir vergessen oft, dass Maria bei ihrem „Fiat“ (lat. für „Es soll geschehen!“), also ihrer Antwort an den Engel, nicht wusste, was als nächstes passieren würde oder wie genau ihr Leben verlaufen würde. Da war 0% Sicherheit aus weltlicher Sicht, aber sie spürte scheinbar 100% Sicherheit aus geistiger Sicht. Sie spürte, dass das das Richtige war.
Und genau das habe auch ich bis jetzt immer wieder erfahren. Ich weiß oft nicht, wie Dinge verlaufen, was ich genau in ein, zwei Jahren tun werde…aber ich weiß, dass mir Gott den nächsten Schritt zur rechten Zeit zeigen wird und ich deshalb mutig und voll Freude jeden Tag, jeden Moment neu in voller Freiheit mein Ja zu Gottes Wirken in meinem Leben sagen darf.
Um dann mit Maria voll Dankbarkeit im Magnifikat Gottes Größe zu loben und zu preisen:
Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. (Lk 1,46b-55)
Quellen:
Universität Innsbruck: Die Bibel in der Einheitsübersetzung. Das Evangelium nach Lukas, Kapitel 1. https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/lk1.html . [22.10.2023]
Wallner, Karl Josef: Fremdwörtergrundkurs Katholische Theologie. S.20: „Fiat“. https://www.hochschule-heiligenkreuz.at/wp-content/uploads/2015/11/THEOLOGISCHES_FREMDWOERTERBUCH_2000-endkorrigiert_2007.pdf . [22.10.2023]
Stollhoff CJ, Sr. Birgit: Das Magnificat. https://www.katholisch.de/artikel/7242-das-magnificat . [22.10.2023]