Freundschaften

„Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf.“ Jesus Sirach 6, 14-15

Wow das sind echt tiefgehende Verse die wunderschön beschreiben, was Freundschaft bedeuten kann. Ich habe mich in meinem Leben immer wieder nach dieser innigen Verbundenheit und Geborgenheit in der Gegenwart anderer Menschen gesehnt und bin so dankbar Freundschaft immer wieder erleben zu dürfen. Doch wie lassen sich solche Freunde finden, die keinen Preis haben, bei denen man sich so geborgen, wie in einem stabilen Zelt fühlt und deren Wert nicht aufzuwiegen ist? Und wie kann man Freundschaft gut leben und selbst für andere ein guter Freund/ eine gute Freundin sein?

Da ich von Natur aus eine eher ruhige und etwas schüchterne Art habe, fällt es mir, wenn ich ehrlich bin, nicht immer leicht auf andere Menschen zuzugehen und Freundschaften zu schließen. Ich brauche oft ziemlich lange, um mich jemanden öffnen zu können und mag jemanden wirklich gut kennen, um ihn als einen meiner guten Freunde zu bezeichnen. Und ich denke das ist auch schon der erste wichtige Punkt: Sich selbst kennenzulernen und zu verstehen, welcher sozialer Typ man ist.

Im Gespräch mit anderen oder auch wenn ich das „soziale Leben“ von anderen so beobachte, merke ich immer wieder, dass jede Person da ziemlich andere Bedürfnisse und Kapazitäten hat. Es gibt Menschen, die einfach sehr auf die Gemeinschaft mit anderen Menschen ausgerichtet sind, rasch neue Kontakte knüpfen, überall bekannt sind, ständig mit Leuten unterwegs und ständig im Gespräch mit anderen sind.
Und dann gibt es die, die länger Zeit brauchen, um neue Leute kennenzulernen und sich in einer Gruppe von neuen Leuten verstanden und zugehörig zu fühlen. Ihnen reichen oft weniger, dafür vielleicht engere Freundschaften. Mit vielen verschiedenen Leuten sich ständig auszutauschen, würde eher stressen und das Gefühl geben, nicht mit ganzer Aufmerksamkeit für andere da sein zu können oder zu wissen was den anderen gerade bewegt und beschäftigt.
Das sind jetzt sicher zwei Extreme, aber jeder ist da wirklich anders und jeder hat auch für seine psychische Gesundheit andere Bedürfnisse und das ist völlig legitim. Und ich denke, dass es sehr wichtig ist wahrzunehmen, dass jemand anderer da vielleicht anders als man selbst ist und das zu akzeptieren. Es hilft auch klar sagen zu können, dass man jetzt lieber zu zweit Kaffee trinken als auf eine große Party gehen möchte oder umgekehrt.

Abgesehen davon, dass es hilft sich selbst ein bisschen kennenzulernen, ist die Voraussetzung Freundschaften zu schließen unterwegs zu sein und neue Leute kennenzulernen. Da ist jeder immer wieder gefordert „out of comfort zone“ zu gehen. Ich habe oft bei Events, wo ich sehr unsicher war, ob ich hinfahren soll, weil ich noch nicht so viele oder keine Leute dort gekannt habe, richtig coole Persönlichkeiten kennengelernt.

Weiters muss man Freundschaften oft ein bisschen Zeit geben! Ich habe, wenn ich ehrlich bin, einige meiner besten Freunde nicht gleich auf den ersten Blick oder bei der ersten Begegnung als besonders wahrgenommen. Oft sind die nettesten Personen nicht die, die von außen herausragend attraktiv wirken und die, die allgemein beliebt, begehrt und bekannt sind.
Ich habe mir mal selbst eine Regel vorgenommen, dass ich, wenn ich bei irgendwelchen Social Events bin, mit der Person die gerade neben mir steht oder sitzt rede so gut ich kann, mit voller Aufmerksamkeit, egal was ich von ihr denke und ob ich die Person die zwei Meter weiter steht viel spannender finde. Versuch das mal, dann wirst du merken, dass das mega mega schwierig ist! Man hat da so viel mehr Vorurteile als man es sich eingestehen würde. Aber meine Erfahrung zeigt, dass es sich echt auszahlt immer wieder neu zu versuchen, bewusst offen zu sein. Oft stecken in den unscheinbarsten Felsen Diamanten und wenn man die entdeckt, wiegt nichts ihren Wert auf….

Ich merke auch immer wieder wie bereichernd es ist, unterschiedliche Freundschaften aus unterschiedlichen Branchen, Kulturen, Altersgruppen, Religionen und Weltanschauungen zu haben. Nicht in der eigenen Bubble zu bleiben ist so wichtig! Und das ist (vor allem) auch auf christliche Kreise bezogen. So sehr mich meine katholischen Freunde motivieren, Jesus zu lieben und dem Himmel entgegenzulaufen, so sehr schätze ich auch den nüchternen und scharfen Blick meiner Freunde, die den Glauben nicht mit mir teilen. Das ist so wichtig, um nicht in ein weltfremdes Elitechristentum hineinzugeraten. Und verschiedene Anschauungen fördern immer den Diskurs, das Diskutieren und Auseinandersetzen mit einem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln, was eine Voraussetzung für weise Erkenntnis ist.
Außerdem halten einen unterschiedliche Freunde auch auf dem Boden und man wird weniger stolz. Wenn Noten auf der Uni vielleicht superwichtig sind, ist deinem Volleyballkollegen wahrscheinlich richtig egal, ob du gerade wieder einen 1er geschrieben hast. Er sieht dich für den oder die, die du in dem Moment am Spielfeld bist und das tut deinem Ego manchmal richtig gut. 🙂

Genauso wie Verbundenheit, ist in Freundschaften aber auch das Abgrenzen wichtig und notwendig. Man kann manchmal nicht helfen oder soll sich wo nicht einmischen! Durch manches muss dein Freund/ deine Freundin selbst hindurchgehen und kann nicht hindurchgetragen werden. Genau dann ist es als Christen so schön füreinander zu beten! Und dem anderen ruhig auch zu sagen, dass man für sie betet! Genauso wertvoll ist es, wenn man selbst in schwierigen Situationen ist, Freunde um Hilfe/ ums Gebet zu fragen. Dies erfordert sehr viel Demut! Aber es ist dann so schön, sich von anderen unterstützt und getragen zu fühlen oder einfach nur zu wissen, dass jemand an einen denkt. Ich freu mich immer mega wenn ich für andere beten, an sie denken oder ihnen konkret helfen kann.

Abschließend möchte ich euch noch weitergeben, dass es sich so auszahlt um treue Freundschaften zu beten! Ich habe jahrelang um gute Freunde gebetet und kann heute ehrlich sagen, dass ich die besten Freunde habe, die ich mir vorstellen kann. Also Gott hört dich und erhört deine Gebete zur rechten Zeit! Denn…er ist ein megaguter Freund!

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KEY FACTS:

  • sich selbst kennenlernen (Bedürfnisse/Kapazitäten)
  • out of comfort zone
  • Zeit geben
  • nicht in der eigenen Bubble bleiben
  • Abgrenzen
  • um treue Freundschaften beten

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