Es gehört zum Erwachsenwerden dazu immer wieder an seine Grenzen zu gehen und körperlich, psychisch und sozial auszuprobieren, wie weit man gehen kann. Doch genauso wichtig ist es seine eigenen Grenzen auch zu kennen und zu respektieren.
Für mich war das vergangene Schul-/Unijahr eindeutig ein Ausprobieren von Grenzen. Neben meinem Medizinstudium noch eine einjährige landwirtschaftliche Ausbildung zu machen und gleichzeitig in eine Beziehung zu starten hat mich immer wieder bis an meine eigenen Grenzen gebracht.
Hier kurz was ich daraus lernen möchte:
- Grenzen annehmen.
Wir sind Menschen und Menschen sind ganz einfach begrenzt. Das heißt auch wenn man viel schafft, schafft man nicht alles und das anzunehmen und zu respektieren ist oft eine bewusste Entscheidung und kann richtig fordernd sein. Auch klar zu sagen, wenn einem etwas zu viel ist, ist so wichtig.
Ich habe zum Beispiel im vergangenen Februar ein Praktikum auf der Kinderstation in unserem Krankenhaus begonnen. Dann bin ich krank, schnell wieder gesund und wieder krank geworden und hab einfach respektieren müssen, dass mein Körper Ruhe braucht und so sehr mir das Praktikum gefallen hat, es einfach gerade nicht dran war.
2. Bewusst Ruhe gönnen.
Wenn man sich angestrengt hat, braucht man auch wieder ruhigere Zeiten. Diesen Grundsatz sollte man nicht übergehen. Es ist okay nach einem anstrengenden Tag mal länger zu schlafen oder untätig „herumzuhängen“.
Ich hab so oft den Freitag (den ich meist unifrei hatte) einfach nur lange geschlafen, Wäsche gewaschen, Mama beim Kochen geholfen und mich ausgerastet. Weil der Rest der Woche einfach so anstrengend war, dass ich’s gebraucht habe!
3. Nichts-tun-Momente einbauen.
Gerade wenn man drei Sachen gleichzeitig macht und ständig unterwegs ist und schauen muss, dass man den nächsten Zug erwischt, das Outfit für morgen mithat und was zum Abendessen dabeihat, ist es essentiell einfach immer wieder mal nichts zu machen. Und nichts machen heißt nichts. Also einfach kurz aufs Bett legen oder aus dem Fenster schauen oder eine Tasse Kaffee trinken oder ein Eis essen und dabei dem Kopf ein bisschen Pause gönnen.
Ich habe ganz oft im Zug nur aus dem Fenster geschaut oder ruhige Instrumentalmusik gehört, obwohl es oft auch längere Fahrten waren und ich viel zu tun gehabt hätte. Aber der Geist braucht auch Zeit zum Erholen. Gerade wenn man sonst eh 10 Sachen gleichzeitig denkt und organisiert…
4. Hilfe annehmen können.
Wenn man viel macht, ist man einfach auf Hilfe angewiesen. Ohne dem geht’s nicht und das muss man auch annehmen können. Mir ist und war es nur immer wichtig, bewusst danke zu sagen.
Danke Mama fürs Frühstück, danke Schwester fürs Wasserflasche auffüllen, Danke Nachbar fürs Mitheimnehmen, Danke Unikollegin fürs Altfragenskript,…
Ich denke das ist so wichtig, um auch das richtige Gefühl dafür zu behalten, ab wann man andere ausnutzen würde und wie sehr einem oft Freunde/ Familie im Alltag unterstützen. Das ist nämlich echt nicht selbstverständlich.
5. Prayer ist wie immer „key“.
Ob ein spontanes Herzensmorgengebet am Weg zum Zug, eine Anbetungsstunde vor dem Allerheiligsten, Abendgebet mit Gewissenserforschung, Tagesevangelium lesen, … Gott in seinen trubeligen, fordernden Alltag zu holen ist immer wichtig. Gerade wenn man kräftemäßig immer wieder an seine Grenzen geht. Denn dann ist es oft seine Kraft die einen trägt und am nächsten Morgen wieder aufstehen lässt.
Mich hat besonders eine wöchentliche Anbetungsstunde, wo ich einfach nur still vor dem Allerheiligsten war, durch dieses intensive Jahr getragen.
Abschließend ist es sicher auch wichtig bei so „Grenzerfahrungen“ darauf zu achten, dass sie auch zeitlich begrenzt sind und es sich nicht zu einem allgemeinen Lebensstil entwickelt. Es ist meiner Meinung nach bedeutend zu reflektieren, was einem gefordert hat und wie man das zukünftig vielleicht besser meistern kann oder was vielleicht auch einfach zu viel ist. Das hab ich mit diesem Beitrag zumindest für mich schon ein bisschen gemacht. 😉
Ein sehr hilfreicher Beitrag, der mir meine heutige persönliche Grenzerfahrung von einer anderen Perspektive betrachten lässt. Es ist genau dieser Perspektivenwechsel, der mir dann meine „schwarz/weiß“-Sicht nimmt, und auch das Gute in jedem Sturm erkennen lässt!
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