„Wolltest du schon immer Medizin studieren?“ Auf diese Frage, die mir immer wieder gestellt wird, antworte ich meistens mit: „Nein das hätte ich eigentlich nie gedacht.“
Ich habe echt lange nicht gewusst was ich machen möchte und wollte im Laufe meiner Schulzeit schon so ziemlich alles werden. Doch wie habe ich mich nun unter all den Möglichkeiten für dieses Studium, das ich mit sehr viel Freude und Interesse mache, entschieden?
Hier sind meine Tipps für eine gute Ausbildungs- & Berufswahl:
- Frag dich was du gut kannst und welche Tätigkeiten dir besonders Spaß machen! Schreibe selbst auf was dir einfällt, frage aber auch Freunde, Lehrer, Eltern und Menschen in deiner Umgebung, für was sie dich besonders schätzen bzw. in welchem Beruf sie sich dich einmal gut vorstellen könnten. Es gibt auch professionelle Potentialanalysen und Eignungstests, die dir dabei helfen können. Nimm besonders die Ratschläge deiner Eltern und Geschwister ernst. Sie sind die Menschen, die dich wahrscheinlich am genauesten und ehrlichsten kennen, dich voll unterstützen und nur das Beste für dich wollen!
Bei mir haben zwei unterschiedliche Geigenlehrerinnen unabhängig voneinander mich in meiner Überlegung zum Medizinstudium bestärkt (ohne mich vom Geigenspielen abhalten zu wollen haha ;). Und auch mein Papa hat immer wieder gemeint, dass ich dafür geeignet wäre, was mich echt ermutigt hat. Also hör genau hin! 🙂 - Probier verschiedenes aus!
Mache dir eine Liste von allem das in Frage kommt und versuche die Auflistung zu reihen. Dann bemüh dich, konkret herauszufinden, ob die Berufe wirklich dem entsprechen, was du dir darunter vorstellst und ob sie dich wirklich interessieren würden.
Kennst du Personen in deiner Umgebung die diese Ausbildung/ diesen Beruf ausüben? Wenn ja, dann trau dich ruhig sie anzusprechen/ anzurufen/ eine Nachricht zu schicken und sie zu fragen, wie es ihnen gefällt/ wie ihr Alltag so ist/ was für Voraussetzungen man für diesen Beruf haben sollte/ wie man sich bewirbt/ was Nachteile sind / ob die Person den Beruf wieder wählen würde.
Ich habe, als ich mich für das Diätologiestudium interessiert habe, einen Tag im Krankenhaus bei Diätologinnen geschnuppert, was echt hilfreich war, denn die Diätologinnen waren zwar sehr gern in ihrem Beruf, haben mir aber gesagt, dass sie aufgrund der schlechten Jobaussichten und der mühsamen Arbeitssuche nach dem Studium nicht nocheinmal beginnen würden, was mich damals schon sehr nachdenklich gemacht hat. - Überleg dir was dir an deinem späteren Beruf wichtig ist!
Wie soll deine Arbeitsumgebung aussehen? Bist du bereit eine längere Fahrt zur Arbeit auf dich zu nehmen? (was oft der Fall ist wenn du einen selteneren Beruf wählst) Mit wem möchtest du einmal arbeiten? Wie viel verdient man in diesem Beruf? Wie sind die Jobchancen? Wie gut ist er mit einer Familie vereinbar? Wie lange und praxisorientiert ist die Ausbildung?
Mir war damals zum Beispiel besonders wichtig, dass es ein Beruf ist, bei dem ich sicher einen Job bekomme und der immer gefragt ist.
Aber bedenke, du kannst nicht alles haben. Irgendeinen Kompromiss musst du höchstwahrscheinlich eingehen. - Überleg als kleines Gedankenexperiment wie dein Leben in 5/10/20 Jahre aussehen könnte! Wie passen deine beruflichen Pläne zu dem was du dir erträumst/ wonach du dich sehnst? Wie kannst du jetzt deine Prioritäten richtig setzten, um später auch zufrieden zurückblicken zu können?
Unsere Sehnsucht ist gut und ist von Gott. Was du dir so richtig gut vorstellen könntest, ist oft auch das was dich wirklich zufrieden und froh macht. Doch bleib nicht beim Träumen hängen, sondern geh aktiv einen Schritt nach dem anderen auf dein Ziel zu! - Was beeinflusst deine Entscheidung? Wer beeinflusst deine Entscheidung? Bist du wirklich frei in deiner Fähigkeit zu entscheiden?
Da geht’s nicht darum, dass dich nichts mehr beeinflusst (das ist normal und gut). Nur zu wissen, was zu deiner Wahl beiträgt, hilft negative Einflüsse zu erkennen und zu vermeiden. - Verschaff dir einen Überblick!
Schreibe dir Listen, erstelle einen Ordner auf deinem Laptop, beginne ein Entscheidungsnotizbuch nur für deine Gedanken zu anstehenden Entscheidungen und versuch deine Überlegungen und Gedanken systematisch zu ordnen!
Meine ältere Schwester hat mir im Maturajahr zu Weihnachten ein Notizbuch zu diesem Zweck geschenkt und ich verwende es auch jetzt noch immer wieder, um meine Gedanken zu anstehenden Entscheidungen niederzuschreiben und zu ordnen. - Bete für deine Entscheidung und frag auch andere Personen für dich zu beten!
Trau dich ruhig deine Überlegungen und Erfahrungen währen deines Überlegungs- und Entscheidungsprozesses vor Gott zu tragen. Versuche ihm immer wieder aktiv dein Leben anzuvertrauen und bete darum, seinen Willen für dein Leben zu erkennen. Versuch zu vertrauen und bete darum, dass du vertrauen kannst! Aber es wäre falsch zu erwarten, dass du die Bibel aufschlägst und genau weißt, was du tun sollst. Das passiert nur in den allerseltesten Fällen. Meist geht Gott einfach mit uns, vertrau darauf, dass er dich zur rechten Zeit offen für seinen Willen macht! Ich weiß, das ist oft echt nicht leicht, aber Gott weiß was er tut, versprochen! - Es reicht den nächsten Schritt zu erkennen!
Du musst noch nicht den ganzen Weg kennen, um ihn gehen zu können. Es reicht den nächsten Schritt zu erahnen, auch wenn er noch so klitzeklein scheint. Es genügt zu wissen, dass du die nächste Prüfung schreiben sollst oder dieses spezielle Praktikum machen solltest oder zu dieser bestimmten Veranstaltung hingehen sollst.
Als ich meine höhere Schule auswählen musste, wusste ich noch lange nicht, dass ich Medizin studieren würde. Aber ich habe einfach nach besten Wissen und Gewissen entschieden, zu was ich rational und emotional das beste Gefühl hatte. Und währen meiner Jahre im Gymnasium war ich auch nicht immer sicher, ob es eine so gute Entscheidung war. Aber ich wusste, dass ich das jetzt fertig machen sollte. Dass ich Schularbeit um Schularbeit, Schuljahr um Schuljahr treu weitergehen sollte. Und im Nachhinein wars echt gut so. 🙂 - Nutze Informationsveranstaltungen in deiner Schule, Tage der offenen Tür, Suchmaschienen im Internet und ähnliches, um dich gut zu informieren!
Geh deine Ausbildungsentscheidungen aktiv an und versuche Zeit zu investieren! Mach dir Listen, sprich mit vertrauten Personen über das was dich beschäftigt und nimm dir Zeiten der Stille, in denen du in Ruhe überlegen kannst, was du wirklich möchtest! - Hab den Mut auch auf unscheinbare Berufe zu blicken!
Es gibt so viel mehr Ausbildungen und Berufe als man denkt. Sei ruhig offen für Arbeitsbereiche, die du noch nicht kennst und versuche möglichst wenig nach Ansehen und Prestige zu entscheiden. Schau auch mal bewusst auf die einfachen und demütigen Berufe. Es ist meiner Meinung nach viel wichtiger, ob du Freude an deiner Arbeit hast, als ob du gerne gesehen oder gut bezahlt bist. Hier möchte ich euch auch zu praktischen Berufen ermutigen. Es muss wirklich nicht jeder studieren! Ich finde es so cool, wenn Freunde von mir handwerklich richtig gut drauf sind und ihre Fähigkeiten für andere und für Gott wunderbar einsetzen können. - Sei realistisch!
Versuche möglichst sachlich zu beurteilen, was du schaffen kannst und was nicht. Es ist viel schlauer, einen Ausbildungsweg zu wählen, den du auch realistisch abschließen kannst. Was dir leicht fällt und gut gelingt, ist höchstwahrscheinlich auch das, worin du richtig gut werden kannst (obwohl du dich natürlich trotzdem anstrengen und durchbeißen musst und dein Bestes geben sollst.) Es kann einfach nicht jeder gleich gut Backen, Räumlich denken, Auswendiglernen und Musizieren und das ist gut so. Deshalb versuch realistisch einzuschätzen, was du schaffen kannst. Dann wirst du nicht ständig enttäuscht, verbissen und überfordert, sondern erfüllt, vertrauensvoll und herausgefordert deinen Weg gehen. - Lass dich nicht von negativen Ratschlägen entmutigen!
Nur weil eine Freundin von dir meint, dass die von dir ins Auge gefasste Ausbildung nicht zu dir passt, heißt das noch lange nicht, dass das so ist. Also sei ruhig selbstbewusst und lass dich nicht runterziehen! Wenn jedoch viele Personen denen du vertraust dir abraten, solltest du ihre Einwände vielleicht gut bedenken. - Geduldig sein!
Ich hab nach dem ersten Semester auch noch nicht 100% gewusst, ob meine Wahl gut und richtig war. Es braucht oft Zeit um in eine neue Aufgabe hineinzuwachsen und das ist vollkommend okay und normal. Deshalb ist es auch ratsam, eine gut überlegte Entscheidung nicht gleich wieder aufzugeben und auch mal ein bisschen für seine Ziele zu kämpfen und durchzubeißen…meist lohnt sich‘s! - Beobachte deine Umgebung aufmerksam!
Wen siehst du in deinem Alltag, der in seinem Beruf/ seiner Ausbildung so richtig aufgeht und zufrieden wirkt? Was kennzeichnet diese Personen und macht sie besonders? Frag sie vielleicht auch einfach, was sie so begeistert und ob sie einen Ratschlag für dich haben. - Bleib flexibel!
Vielleicht weißt du schon seit dem Kindergarten genau, wo du später arbeiten möchtest. Dann versuch trotzdem dynamisch und offen für Gottes Wirken in deinem Leben zu bleiben! Natürlich darfst und sollst du deine Ziele und Träume verfolgen. Aber es ist auch mega wichtig nicht fixiert und verbissen zu sein. Denn oft hat das Leben (und Gott) viel größere Pläne mit uns als wir es uns erträumen und wünschen könnten!
Zum Schluss möchte ich noch sagen: JUST TRY IT! Sei mutig und wage eine Entscheidung! Du wirst keine absolute Sicherheit haben, was das Richtige ist, ohne den Weg einfach ausprobiert zu haben. Es ist wichtig sich gut zu überlegen, was man wählt, aber mindestens so wichtig ist auch wirklich zu wählen. Man kann sein Leben lang im Kreisverkehr herumfahren, aber irgendwann sollte man einfach ausfahren. 😉 Und wenns nicht das ist was dir liegt oder wenns nicht gelingt, dann wirst du’s merken, aber nur indem du’s probierst. „If it’s not the thing, maybe it’s what leads you to the thing!“. Also sei ruhig zuversichtlich eine Entscheidung zu treffen und einen Ausbildungsweg zu versuchen!
Ich wünsch euch dafür das Allerbeste und fühl voll und ganz mit euch mit!
Klara